Film

Forrest Gump – Forrest Gump

Dieser Mann hat Geschichte geschrieben. Und dabei gerne mal eine Pralinenschachtel dabei. Sollte also besser viel Sport treiben. Lauf Forrest, lauf!

Forrest Gump (1994) – Die Story

Drehbuch: Eric Roth
Aufgrund seines niedrigen Intelligenzquotienten und ein paar unästhetischen Beinschienen wird Forrest Gump schon in der Schule oft gehänselt. Die Unterstützung seiner resoluten Mutter und seiner besten Freundin Jenny geben ihm aber Auftrieb – auch später im Erwachsenenalter. Hier durchlebt Forrest (Tom Hanks), mit viel Herz und Durchhaltevermögen, auf seine ganz eigene Art ein paar der spannendsten Kapitel der amerikanischen Geschichte.

 

Die Einführung von Forrest Gump

Die weiße Feder eines Vogels treibt im Wind. Nach ein paar Umwegen fällt sie sanft auf die dreckigen Schuhe von Forrest Gump, der an einer Bushaltestelle sitzt und wartet. Forrest hebt die Feder fasziniert auf. Er öffnet seinen kleinen Reisekoffer, legt die Feder sorgfältig in ein Buch und schließt den Koffer wieder. Eine Frau setzt sich neben ihn und beginnt ein Buch zu lesen. Anständig grüßt Forrest die Frau und stellt sich vor. Die Frau nickt ihm freundlich zu und liest weiter.

Forrest bietet ihr nun an, doch etwas aus seiner Pralinenschachtel zu nehmen. Sie lehnt ab. Forrest zitiert daraufhin seine Mutter, die einmal meinte: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt“. Er nimmt selbst eine Praline und lobt dann die Schuhe seiner Nachbarin. Über Schuhe hatte seine Mutter natürlich auch ein paar Weisheiten parat. Forrest schließt die Augen und versucht sich nun an sein allererstes Paar Schuhe zu erinnern.

Die Analyse

Wie eine Feder im Wind. So läßt sich das Leben von Forrest Gump wohl am Besten beschreiben. Und so erklärt sich dann auch der Einsatz der Feder-Allegorie am Anfang des Filmes. Ziellos treibt diese durch den Wind, ihr Weg ein scheinbares Zufallsprodukt der äußeren Umstände. Und nichts könnte besser auf Forrest Gump passen. Vieles von dem was Forrest im Laufe der Geschichte erlebt, passiert weniger aus eigener Motivation heraus, sondern oft nur, weil ihm irgendeiner dabei auf die Sprünge geholfen hat. Seine Jenny animiert ihn zum Laufen, ein Soldat zum Tischtennisspielen und auch für die Berufung zum Shrimpkutter-Kapitän gibt es ein Vorbild.

Wie eine Feder im Wind – Forrest Gump ist gleich von Anfang an „präsent“. (Foto: ©Paramount)

Vor kurzem hatte ich hier auf meinem kleinen Seziertisch einen anderen Film liegen, der mit einer ähnlichen Allegorie begann. In „The Big Lebowski“ ist es ein Strandläufer (eine Art Strohballen), der (symbolisch für das Dahintreiben der Hauptfigur) vom Wind durch die Gegend geblasen wird. Auf den ersten Blick erfüllen beide Symbole den gleichen Zweck. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir dann aber doch einen entscheidenden Unterschied. Die Feder ist der deutlich sanftmütigere Stellvertreter und in purem Weiß strahlend verkörpert sie auch eine gewisse Unschuld. Nichts, womit man jetzt den „Dude“ in „The Big Lebowski“ assoziieren würde.

Die Musik machts
Für unseren naiven Südstaatler passt die Feder aber perfekt. Dieses sanftere „Porträt“ durch die Vogelfeder wird durch die leichtfüßige Musik nur noch weiter verstärkt. Überhaupt ist der Weg über die Filmmusik mit einer der elegantesten um erste Charaktereigenschaften anzudeuten. Bisher bin ich auf dieses Mittel hier im Blog noch gar nicht groß eingegangen. „Forrest Gump“ ist aber genau hierfür ein wundervolles Beispiel, da der Film eine ganz eindeutige musikalische Duftmarke setzt, bevor wir unsere Hauptfigur überhaupt das erste Mal treffen. Dem stimmungsvollen Flug der Feder wird hier sehr viel Zeit eingeräumt und man wird so bereits schon wundervoll auf die erste Begegnung mit unserem Protagonisten eingestimmt. Ein perfektes Bild, das vom Film auch ganz am Ende wieder aufgegriffen wird.

Sanfter Charakter – Forrest betrachtet die Feder mit den Augen eines Kindes. (Foto: ©Paramount)

Diesen Ball nimmt die Hauptfigur bei ihrem ersten Auftritt dann im wahrsten Sinne des Wortes dankbar auf. Ganz vorsichtig hebt Forrest die Feder auf und betrachtet diese mit kindlicher Faszination. Kein Zweifel, hier haben wir es mit dem sanftmütigen und unschuldig wirkenden Menschen zu tun. Also genau den, welchen uns die Musik bereits angekündigt hat. Dieser Mann hat Freude an den kleinen Dingen des Lebens und dieses Bild des „Kind im Mann“ wird nun auch noch weiter verstärkt. Vorher bekommen wir aber noch einen kleinen Einblick in das Leben von Forrest – und gleichzeitig eine subtile Andeutung von dem was uns noch erwartet. Wer genau hinschaut entdeckt im Koffer von Forrest nämlich zahlreiche Gegenstände, die sich später als wichtige Begleiter in dessen Leben entpuppen. Das Forrest die Feder sozusagen in den „Koffer seines Lebens“ packt ist dann auch eine Art symbolischer Akt. Diese kleinen Freuden machen für ihn das Leben aus.

Mit den Augen eines Kindes
Sanft und freundlich geht es weiter, wenn Forrest mit einer Mischung aus Charme und Naivität seine Banknachbarin begrüßt und ein Schwätzchen startet. Dieses Gespräch vermittelt uns mehrere Dinge. Durch die Art der Sätze und die Sprache wird deutlich, dass Forrest wohl geistig etwas weniger leistungsfähig ist als der Durchschnitt. Seine höfliche und interessierte Art, gepaart mit seinen Fragen, unterstreicht noch einmal seine kindliche Unschuld und gleichzeitige Neugier. Dieser Aspekt des „Kind im Mann“ wird dann auch noch mehrmals dadurch verstärkt, dass Forrest von seiner Mutter redet. Dazu erkennt Forrest auch noch nicht die sozialen Regeln der Erwachsenen und redet immer weiter, obwohl seine Banknachbarin offensichtlich eher in ihrem Buch lesen möchte. Forrest ist also anders und eckt unbewusst an – womit ein mögliches späteres Konfliktpotential schon einmal angedeutet wird.

Ein kleines Schwätzchen kann nicht schaden. Zum Lesen kommt die Nachbarin heute wohl nicht mehr. (Foto: ©Paramount)

Geschickt nutzt der Film dann auch genau diese Neugier des Protagonisten, um elegant den Übergang für den „eigentlichen“ Start der Geschichte zu finden. Mit kindlicher Neugier betrachtet Forrest die Schuhe seiner Nachbarin, kommt darüber dann wieder zu einer der vielen Weisheiten seiner innig geliebten Mutter, um dann den Übergang zu seinen eigenen Abenteuern und seinem ersten Paar Schuhe zu konstruieren. Ein paar Schuhe und eine Feder als Mittel zur Charakteretablierung – das ist schon sehr charmant. So gelingt es „Forrest Gump“ in seiner Einführungsszene sehr gut genau die richtige Grundstimmung rund um seine Hauptfigur zu erzeugen, uns die wichtigsten Charaktereigenschaften zu präsentieren und große Abenteuer zu versprechen. Was will man mehr.

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