Serie

Rick Grimes – The Walking Dead

Ein guter Grund nicht aus einem Koma aufwachen zu wollen? Eine Zombie-Apokalypse! Konnte es sich aber nicht aussuchen und greift deswegen nun zum Baseballschläger: Sheriff Deputy Rick Grimes.

The Walking Dead (seit 2010) – Die Story

Drehbuch Episode 1: Frank Darabont
Bei einer Schießerei mit ein paar Hillbillies wird der Sheriff Deputy Rick Grimes schwer verletzt und fällt in ein wochenlanges Koma. Als er aufwacht ist die Welt von Zombies überrannt und Rick darf um sein Leben kämpfen – trifft aber glücklicherweise schon bald auf weitere Überlebende.

 

Die Einführung von Rick Grimes

Wir sehen wie ein Polizeiauto an einer Unfallstelle ankommt und Deputy Rick Grimes ganz ruhig aussteigt. Ein auf der Seite liegender Truck wird von Rick komplett ignoriert, stattdessen holt er in aller Seelenruhe einen Benzinkanister aus dem Kofferraum und läuft zur benachbarten Tankstelle. Den Weg dorthin säumen zerstörte Autos und zahlreiche Leichen. Lebendig scheint nur ein kleines Mädchen zu sein, welches sich langsam von der Tankstelle entfernt. Als Rick dieses ruft dreht sich das Mädchen um und entpuppt sich als waschechter Zombie. Mit einer Mischung aus Entsetzen und Entschlossenheit zieht Rick seine Waffe und bereitet ihr mit einem Kopfschuss ein Ende.

„There is a new sheriff in town“ – unser erster Blick auf Rick Grimes (Foto: ©WVG Medien GmbH)

Analyse: Good Cop, bad Zombie

“The Walking Dead“ beginnt mit einem Versprechen. Einem Versprechen an den Zuschauer. Wir springen direkt in die Zombie-Apokalypse und bekommen einen kleinen Vorgeschmack darauf, was die Hauptfigur und der Zuschauer von der Serie erwarten dürfen. Erst nach dieser Sequenz, und dem anschließenden Vorspann, kommt es zum „klassischen“ Einstieg in die Geschichte und dem Blick auf das normale Leben von Rick vor der großen Zombie-Epidemie.

Der Sinn des vorgegriffenen Zombie-Kapitels ist klar: man möchte dem Zuschauer gleich etwas bieten und ihn neugierig machen. Der Zuschauer möchte Zombies, also lassen wir ihn nicht lange darauf warten. Diese Vorwegnahme der Haupthandlung ist ein sehr beliebter Kniff um im Seriengenre gleich mal die Spannungskurve anzuziehen, wie wir ja schon bei der Einführung eines gewissen Walter Whites gesehen haben.

Der positive Nebeneffekt dieses Einstieges ist, dass die Hauptfigur bereits schon emotional aufgeladen ist, bevor sie uns dann in ihrer einst normalen und “langweiligeren“ Umgebung präsentiert wird. Nach der Eröffnungsszene springen wir nämlich in die Pre-Zombie-Zeit und sehen Rick in seinem gewohnten Polizeialltag. In dem Wissen was die Figur bald durchleiden muss haben diese, eigentlich ja eher gewöhnlichen Szenen nun natürlich eine viel intensivere Wirkung auf den Zuschauer.

Aber was vermittelt uns die Eröffnungsszene nun genau über die Hauptfigur? Glücklicherweise hat Rick einen Beruf, bei dem schon Kleidung und Fahrzeug ausreichen, um diesen zu etablieren. Stellt sich natürlich noch die Frage: good cop oder bad cop? Oder in anderen Worten: können wir als Zuschauer mit dieser Figur sympathisieren?

Die Frage beantwortet die erste Szene ziemlich eindeutig, denn Rick entpuppt sich als einfühlsam – er möchte dem kleinen Mädchen helfen und versucht ihr die Angst zu nehmen. Und als sich das Mädchen umdreht und als Zombie entpuppt, ist Rick spürbar mitgenommen und muss sich erst einmal zusammenreißen, bevor er sie in die ewigen Jagdgründe befördert. Damit ist klar: Rick ist ein Guter. Womit dann auch gleich der Grundkonflikt der Hauptfigur etabliert ist: guter Mensch in rauer Welt.

Spürbar mitgenommen – Dieser Kopfschuss tat weh. (Foto: ©WVG Medien GmbH)

Hätte die Serie Rick dagegen einfach nur mit Hilfe eines großen Zombiegemetzels eingeführt, das emotionale Band zwischen Zuschauer und Figur wäre deutlich weniger eng gespannt gewesen. Stattdessen entscheidet man sich hier eben für eine kleinere, dafür viel emotionalere Herangehensweise. Man stellt Rick mit dem kleinen Zombie-Mädchen vor ein deutlich persönlicheres und intimeres Problem, das ihn auch noch vor eine moralisch deutlich schwierigere Herausforderung stellt. Und mit ihr nimmt man auch schon eine der großen moralischen Fragen der Serie vorweg: wieviel Mensch steckt eigentlich noch in so einem Zombie?

Prinzipiell ist die Einführung von Rick ziemlich gut gelungen. So etablierte die erste Szene nicht nur das Setting und seine Hauptfigur, sondern deutet über ihn bereits auch die thematische Richtung und das Konfliktpotential an, welches in all dem steckt. Einen kleinen Haken hat die ganze Sache aber – wenn man genau überlegt verhält sich die Figur eigentlich nicht in sich schlüssig. Rick sollte nämlich, insbesondere wenn man den Rest der Folge gesehen hat, zu Beginn der Szene eigentlich schon relativ gut mit den Mechanismen der Zombie-Welt vertraut sein.

Das Rick sich dem im Zombie-Stil davon schlurfenden Mädchen nicht zumindest mit gezogener Waffe und etwas mehr Vorsicht nähert, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Ebensowenig die überraschte Reaktion, dass es sich dann bei ihr um einen Zombie handelt. Hier spiegelt die Figur mehr die Gefühle des Zuschauers wieder, für den das ganze ja neu ist. Das ist für den Spannungsaufbau natürlich zuträglich, führt die innere Logik der Geschichte aber etwas ad absurdum. So richtig fällt das aber erst beim zweiten mal Anschauen auf, womit wir hier ein schönes Beispiel dafür hätten, dass es manchmal auch gute Gründe dafür gibt, bei der Figureneinführung die Logik auch einmal zu Gunsten des Spannungsbogens zu opfern.

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