Film

John McClane – Stirb Langsam

Weihnachten – das Fest der Liebe. Interpretiert natürlich jeder unterschiedlich. Verteilt seine ganz persönlichen Geschenke an die bösen Buben: John McClane.

Stirb Langsam (1988) – Die Story

Drehbuch: Jeb Stuart, Steven E. de Souza
Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) besucht die Firmen-Weihnachtsparty seiner Frau Holly in Los Angeles. Genauso wie eine Handvoll Terroristen, die am reich befüllten Safe von Hollys Arbeitgeber interessiert sind. Unglückliche Konstellation. Also für die bösen Jungs. Denn McClane sorgt dafür, dass deren Bescherung dieses Jahr anders ausfällt als geplant.

 

Die Einführung von John McClane

Fliegen ist nicht seine Sache. Angespannt landet John McClane am Flughafen von Los Angeles. Auch wohlgemeinte Ratschläge des Sitznachbarn helfen da nicht. Den wiederum muss McClane dann allerdings selbst beruhigen, als dieser das Waffenholster unter der Jacke unseres Protagonisten entdeckt. Alles in Ordnung, mein John, bin doch nur ein Cop. John schnappt sich dann einen riesigen Plüschbär aus dem Gepäckfach, betrachtet noch kurz angeregt die attraktive Stewardess und verläßt dann den Flieger. Um sich anschließend am Gepäckband erst einmal ganz entspannt eine Kippe anzuzünden.

Die Analyse

Ein ganz normaler Typ, der einen Haufen Bösewichte im Alleingang besiegt? Hat man schon oft gesehen, denkt sich der heutige Kinogänger. Im Jahre 1988 war das dagegen etwas Ungewöhnliches. Schließlich war man eher „Muskelprotze“ à la Schwarzenegger und Stallone gewöhnt. Mit John McClane bekam man aber nun eine Art Jedermann-Held serviert. Der einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Die Konsequenz: Eine Charaktereinführung, bei der die Hauptfigur gleich mal etwas geerdet wird.

Das uns hier kein unbesiegbarer Held erwartet, wird direkt in dessen ersten Einstellung deutlich. Angespannt klammert sich John McClane an die Lehne seines Flugsitzes. Der Junge hat Flugangst. So ein Schwäche ist immer ein probates Mittel, um eine Figur etwas zu erden. Und macht es dem Publikum einfacher, sich mit dieser zu identifizieren. Es folgen dann absurde Ratschläge des Sitznachbarn, wie McClane denn seine Flugangst in den Griff bekommen könnte. Ein Dialog, der gleich auf mehreren Ebenen den Charakteraufbau unserer Hauptfigur vorantreibt.

Angst vor dem Fliegen? Dieser Nachbar hat die Lösungen. (Foto: ©20th Century Fox)

Mit der Kraft des Dialogs
Da wäre einmal die freundliche Gelassenheit, mit der John die ungewöhnlichen Tipps (Socken ausziehen) seines Nachbarn zur Kenntnis nimmt. Die Botschaft an das Publikum: unsere Hauptfigur ist ein umgänglicher Zeitgenosse. Interessant wird es dann aber vor allem, als McClane nach der Landung aufsteht. Unser neugieriger Sitznachbar entdeckt nämlich dessen Waffenholster unter der Jacke. Und ist ein klein bisschen beunruhigt. McClane nimmt ihm schnell die Sorge. Alles gut, er sei ja seit 11 Jahren Cop. Ach, die gute alte Zeit, in der man noch mit ner Knarre durch den Check-In laufen konnte. Ein eigentlich harmlos wirkendes Stück Charaktereinführung, bei dem sich aber trotzdem ein kleiner Blick auf dessen Umsetzung lohnt.

Eigentlich ist es ja immer eleganter, wenn man so ein Stück Charakterinformation wie das Berufsbild eben gerade nicht durch ein plumpes Aufsagen der Figur rausrückt. Hier aber hat man einen guten Weg gefunden, wie man das Ganze trotzdem natürlich wirken lassen kann. Ein Dank an die Kraft des Dialogs. Unser Sitznachbar hatte davor nämlich angemerkt, dass McClane ihm doch mit seinen kruden Methoden zur Bekämpfung der Flugangst vertrauen soll. Schließlich praktiziert er die ja seit 9 Jahren. Genau diesen Satz kopiert McClane jetzt und antwortet lächelnd, dass in Punkto Waffe er ihm nun wiederum vertrauen könne – er mache seinen Job ja schon seit 11 Jahren. So wirkt diese Informationsvermittlung ganz ungezwungen. Und etabliert die Figur mal nebenbei auch noch als ziemlich schlagfertig. Man kann also mit etwas Geschick so eine Info auch auf so direktem Wege transportieren.

Habe ein bisschen Vertrauen, Junge – bin einer der Guten. (Foto: ©20th Century Fox)

Ein kleiner Flirt muss sein
Stellt sich nur die Frage: guter Cop, böser Cop? Die Antwort folgt in Plüsch. McClane zerrt einen riesigen Teddybär aus dem Gepäckfach. Ohne Worte wird uns so schnell klar: der Mann hat wohl ein großes Herz. Und ein kleines Kind. Wohl eher ein guter Cop, dieser McClane. Es wird also eifrig an der Sympathieschraube gedreht. Doch nun geht es Schlag auf Schlag in Sachen Charakteraufbau. Mit Riesenteddy bestückt steht John nämlich auf einmal vor einer attraktiven Stewardess und es beginnt ein kurzer, aber durchaus intensiver, „Ich blick dir in die Augen“-Flirt.

Da die junge Dame, trotz aller Professionalität, auch offensichtlich von McClane angetan ist, kann man durchaus schlußfolgern, dass dieser bei den Frauen es nicht unbedingt schwer hat. Wie auch, bei dessen charmanten und souveränem Grinsen. Umgekehrt, ist er auch offensichtlich dem weiblichen Geschlecht nicht wirklich abgeneigt. Selbst als McClane ein paar Schritte in Richtung Ausgang gegangen ist, blickt er sich noch mal nach der Dame um. Wir erinnern uns: in der ersten Einstellung haben wir nur zu deutliche Johns Ehering an dessen Hand gesehen. Und so versteckt sich hier ein subtiler Hinweis darauf, dass es eventuell um die aktuelle Ehe von McClane nicht ganz so gut bestellt ist.

Zeit für einen kleinen Flirt. Das schaut sich der Teddy nicht an. (Foto: ©20th Century Fox)

Hart aber herzlich
So packen die Filmemacher hier doch schon einiges an Charakterinfo in eine relativ kurze Einführung. Wir erfahren die wichtigsten Basics unserer Figur, während es gleichzeitig auch menschelt – dank Flugangst und Riesenteddy. Gleichzeitig wird McClane aber durchaus auch als coole Socke dargestellt, die schlagfertig und flirterfahren ist. Und genau dieser Eindruck wird dann im letzten Bild der Figureneinführung noch einmal manifestiert. Da wartet McClane mit den anderen Passagieren am Gepäckband. Cooler Blick und Fluppe im Mund, aber gleichzeitig den überdimensionalen Kuschelteddy im Arm. Ein tougher Typ – aber eben mit Herz. Auf letzteres sollte man als seelenloser Gangster aber lieber nicht bauen…

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