Serie

Sheldon Cooper – The Big Bang Theory

Man kann an Nerds verzweifeln. Man kann sie aber auch lieben. Im Fall von Sheldon Cooper einigen wir uns mal auf beides.

The Big Bang Theory (seit 2007) – Die Story

Drehbuch Episode 1: Chuck Lorre, Bill Prady
Die beiden hochintelligenten Physik-Studenten Sheldon Cooper (Jim Parsons) und Leonard Hofstadter leben friedlich zusammen in einer zweier WG. Mit ihrem Mangel an sozialer Intelligenz haben sie sich bisher eigentlich ganz gut arrangieren können – bis gegenüber auf einmal eine genauso attraktive wie naive Blondine einzieht. Das riecht doch nach einem klassischen Fall von US-Sitcom.

 

Die Einführung von Sheldon Cooper

Erste Szene, erster Auftritt. Sheldon Cooper erzählt seinem Kumpel Leonard Hofstadter fasziniert von einem ganz speziellen Phänomen der Physik – und kontert dessen Irritationen darüber damit, dass er die Formulierung dieser Idee für einen wahnsinnig tollen T-Shirt Slogan halten würde. Beide betreten anschließend etwas verschüchtert die “Samenbank für hochintelligente Menschen“ und bekommen von der dortigen Sekretärin ein Antragsblatt zum Ausfüllen. Sheldon kommen allerdings Zweifel an der Sinnhaftigkeit seiner eigenen Idee. Nach einer kurzen Diskussion versuchen beide sich unbemerkt von der Sekretärin aus dem Raum zu schleichen – was allerdings misslingt.

Ein langer Weg bis zur Marktreife – Sheldon präsentiert seine T-Shirt-Idee (Foto: ©Warner Home Video – DVD)

Analyse: Nerdisch by Nature

Wenn man von dem großen Serienboom der letzten Jahre spricht, verbindet man damit wohl kaum die klassische amerikanische Sitcom. Trotzdem ist es interessant, sich auch hier einmal der Charaktereinführung zu widmen – schließlich gehorchen Sitcom-Serien ihren ganz eigenen Regeln. Bei „The Big Bang Theory“ greifen wir dafür ein bisschen in die Trickkiste. Strenggenommen gibt es hier nämlich mit Sheldon und Leonard zwei zentrale Figuren – aber wir schnappen uns nur die deutlich populärer. Sorry, Lenny.

Voller Klischees und stark überzeichneter Figuren, die lediglich als Gag-Lieferanten und weniger wie realistisch gezeichnete Menschen agieren – so wird das Sitcom-Genre oft von außen wahrgenommen. Das mag in der breiten Masse schon stimmen, aber nichtsdestotrotz steht man als Autor hier trotzdem vor einer durchaus schwierigen Herausforderung. Ich muss eine Figur erschaffen, mit deren Hilfe ich jahrelang gute Laune verbreiten kann. Und was die Einführung der Figur eingeht, steht man gleich schon vor der nächsten Hürde: Im Vergleich zu anderen Serien-Genres hat man normalerweise auch noch viel weniger Zeit.

Gleich ans Eingemachte
Knapp 25 Minuten dauert die erste Folge von „The Big Bang Theory“. Das ist nicht gerade viel, um eine Figur zu etablieren und direkt von der ersten Minute an Gagpotential zu kreieren. Denn eines ist klar: Mit Humor ist beim Zuschauer nicht zu spaßen. Wenn der nicht gleich zündet, ist das Publikum sofort weg. Kein Wunder also, dass die Serie direkt mit einem Dialog der beiden Hauptfiguren beginnt und Sheldons ersten beiden Sätze gleich zwei wichtige Punkte erfüllen.

Erstens, wir lernen etwas über die Figur. Sheldon outet sich als Physik-Nerd und ist offensichtlich hochintelligent. Zweitens, wir bekommen am Ende einen Gag serviert, der wiederum noch einmal den Nerdstatus von Sheldon verstärkt (in Kombination mit dessen nicht gerade trendigem Outfit).

Mut zur Übertreibung
Das Sheldon und Leonard dann gleich darauf ausgerechnet eine Samenbank betreten hat einen relativ einleuchtenden Grund. Dieser Ort bietet direkt ein relativ hohes (man könnte auch sagen einfaches) Gagpotential – genau das, was man zu Beginn benötigt. Eine „gagsichere“ Umgebung, in der man nun noch schnell ein bisschen Charakterzeichnung unterbringen kann. Wobei das Wort Charakterüberzeichnung wohl der bessere Begriff wäre. So wird Sheldon in dieser Szene nun gleich mehrfach als Nerd par excellence etabliert und dieses Vorgehen gleichzeitig für weitere Gags ausgeschlachtet.

So deutet ein Masturbationsgag an, dass Sheldon wohl nicht wirklich großen Erfolg bei Frauen hat. Womit natürlich ein ganz wichtiges Nerd-Kriterium erfüllt wäre. Dann gibt Sheldon zu, mit der Samenspende nur Geld für einen neuen Breitband-Internetanschluss verdienen zu wollen. Der Wert auf der Nerd-Skala steigt. Als er schließlich auch noch abgehoben zum Besten gibt, dass er nie ein Kind lieben könnte, das nicht in der Lage wäre komplexe mathematische Berechnungen durchzuführen, wird endgültig klar: der Mann ist „out-of-touch“ mit der „normalen“ Welt.

Subtil ist anders
Woraus dann auch die Eigenschaft der Figur resultiert, die wohl das größte Gagpotential bietet: mangelnde Sozialkompetenz. Um das zu verdeutlichen braucht es aber natürlich einen „normalen“ Gegenpart, in diesem Fall die Sprechstundenhilfe der Samenbank. Zu Beginn traut sich Sheldon nicht sie anzusprechen und am Ende ringt er mit dem richtigen Vorgehen für einen perfekten und unbeobachteten Abgang. „I want to leave. What’s the protocol for leaving?“. Da ist er, unser perfekter Nerd.

Zeit zu gehen – aber wie nur? (Foto: ©Warner Home Video – DVD)

Natürlich, subtil sieht anders aus. Aber auch wenn das Ganze hier keine tiefgründige Figurenzeichnung ist, für eine Sitcom ist es ein durchaus nützliches Vorgehen. Die wichtigsten Attribute von Sheldon sind innerhalb kürzester Zeit herausgearbeitet und nach einer Szene ist das Konflikt/Gagpotential der Figur etabliert. Kein großes Kino, aber eben auch der Beweis, dass Klischees manchmal auch ganz nützlich sein können.

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