Film

James Bond in James Bond – 007 jagt Dr. No

Im Geheimdienst seiner Majestät zu stehen mag ja gefährlich sein, hat aber auch definitiv seine Vorteile. Bevorzugt seine Gegner vor allem geschüttelt, seine Frauen aber gerührt: James Bond.

James Bond – 007 jagt Dr. No (1962) – Die Story

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather
Als der Station Chief des MI-6 in Jamaika ermordet wird, beauftragt dieser seinen besten Mann mit der Aufklärung. Wobei dieser gerade mit der nächstbesten Frau flirtet. Pflicht ist aber Pflicht und so nimmt sich James Bond (Sean Connery) alias Agent 007 der Aufgabe an, nur um schon bald erste Mordanschläge auf sein Leben abwehren zu müssen. In seinen Ermittlungen führen Bond die Spuren zu dem mysteriösen Minenbesitzer Dr. No. Und, Vergnügen muss sein, in die Arme der attraktiven Muschelsammlerin Honey Rider.

 

Die Einführung von James Bond

Ein schickes Casino, ein voller Kartentisch und eine attraktive Dame im roten Kleid. Das ist das Setting bei dem allersten Auftritt unseres legendären britischen Geheimagenten. Gespielt wird eine Variante des Kartenspiels Baccara, bei der Bond sich und seiner Gegnerin die Karten ausspielt. Für die hübsche Dame läuft es aber mal so gar nicht, sie wird gleich mehrmals von Bond besiegt und beantragt beim Casino schließlich einen Kredit. Bond äußert daraufhin Bewunderung für deren Sportsgeist und fragt nach ihrem Namen. Sylvia Trench heißt die gute Frau, die Bond wiederum nach seinem fragt. Bonds Antwort ist Kinogeschichte. Die Kartenspielkünste von ihm natürlich auch und so verliert Trench daraufhin gleich nochmal.

Ein Ausschnitt der Szene ist tatsächlich legal im Netz verfügbar – das lassen wir uns hier natürlich nicht entgehen

Ein Angestellter des Casino steckt Bond dann eine Nachricht zu und dieser muss das Spiel leider verlassen. Allerdings mit jeder Menge Casino-Chips im Arm. In seinen Arm möchte wohl auch die gute Sylvia, die Bond folgt. Sie beklagt sich darüber, dass Bond schon jetzt gehen muss, wo es doch gerade erst interessant wurde. Bond möchte von Trench daraufhin wissen, ob sie nicht vielleicht noch ein Faible für andere Spiele besitzt. Und macht dann gleich einmal ein Date für den Golfplatz klar. Während der gute James sich seine Chips auszahlen läßt, schiebt er auch gleich noch die Einladung für ein Dinner hinterher. Das findet die gute Sylvia ziemlich verführerisch, möchte aber ihre Entscheidung erst am nächsten Morgen bekanntgeben. Bond drückt ihr daraufhin seine Visitenkarte in die Hand und verläßt, inklusive eines dicken Geldbündels und unter den bewundernden Blicken von Miss Trench, den Raum.

Die Analyse

Eine der allerersten Entscheidungen, die ich als Autor bei der Figureneinführung treffen muss ist die bezüglich des Ortes. Was ist denn die perfekte Location, um dem Publikum meine Hauptfigur und deren Geschichte das erste Mal vorzustellen? Das Setting, beziehungsweise die Art und Weise wie die Figur darin und damit interagiert, kann uns nämlich schon jede Menge über den Charakter verraten und auch den Grundton für den weiteren Verlauf der Geschichte setzen. Eines der schönste Beispiele dafür liefert eine Ikone der Kinogeschichte. Bond wäre aber natürlich nicht Bond, wenn dabei nicht auch noch eine gutaussehende Dame eine Rolle spielen würde.

Schauen wir uns erst einmal das Setting genauer an, für das sich die Macher hier entschieden haben. Ein edles Casino mit zigarrenrauchenden Männern in feinen Anzügen und Damen in genauso eleganten wie unbezahlbaren Kleidern. Unsere Hauptfigur tritt also gleich einmal im Rahmen der High-Society auf. Stellt sich nun die Frage, wie sie sich denn dabei schlägt.

Ein Profi mit Profil – Bond ist erst nur im Anschnitt zu sehen (Foto: ©MGM)

Ein Mann mit Klasse
Die Antwort darauf kennen wir, uns interessiert der Weg dorthin. James Bond begegnen wir als erstes an einem Casino-Tisch. Wie so oft bei Einführungen wird die Figur dadurch etwas überhöht, dass der Zuschauer bezüglich ihres Aussehens erst einmal im Dunkeln gelassen wird – von Bond sehen wir zuerst nur das Profil und ein paar Hände. Was die aber machen gibt uns schon einen ersten Fingerzeig auf den Charakter. Das Bond nicht einfach nur „Poker“ spielt, sondern an der französischen Variante „Chemin de fer“ des weniger anrüchigen Kartenspiels Baccara teilnimmt, setzt schon ein erstes Zeichen. Dieser Mann scheint Klasse zu haben. Dieses Bild wird dann dadurch verstärkt, dass Bond bei dem Spiel lange Zeit ohne jegliche Worte auskommt. Er wirkt ruhig und fokussiert. Vor allem aber wirkt 007 bei dem was er da tut eines: unglaublich selbstsicher.

Logischerweise wird dieser Eindruck natürlich entscheidend dadurch gestärkt, dass Bond einfach immer gewinnt. Es ist aber schon ein Unterschied, ob eine Figur dieses Glück nun nach außen emotional abfeiert oder eben einfach nur lächelnd zur Kenntnis nimmt. Selbstsicherheit eben. Interessant ist bei dem Spiel aber auch noch ein weiteres kleines Detail. Bei Baccara gibt es immer zwei Seiten: einen Spieler und die sogenannte Bank. Bond nimmt hierbei die Rolle der Bank ein, Sylvia Trench die dieses Spielers. Der feine Unterschied ist dabei, dass die Rolle der Bank auch darin besteht die Karten zu verteilen. Bond diese Rolle zuzuteilen ist eine bewusste Entscheidung, denn sie läßt Bond aktiver wirken. Und da er die Karten mit viel Eleganz über den Tisch schiebt stellt sich auch noch der schöne Nebeneffekt ein, dass Bond so auch noch ein Stück souveräner daherkommt.

Vorstellung mit Stil – und dramaturgischer Pause (Foto: ©MGM)

Höflichkeit ist eine Tugend
Viel liegt hier natürlich auch wieder an dem Schauspieler. Man nehme nur Bonds berühmte Worte und die Art und Weise, wie diese von Connery präsentiert werden. Nach „Bond“ folgt das Zusammenklappen des Feuerzeuges, und damit eine kleine dramaturgische Pause, bevor „James Bond“ hinterhergeschoben wird. Und während all dem läßt Bond nicht ein einziges Mal seinen Blick schweifen, sondern schaut die ganze Zeit Trench in die Augen. Der Mann hat definitiv kein Ego-Problem.

Das Bond sich allgemein in diesem Setting so wohlfühlt und genau weiß, wie er sich zu benehmen hat, wird im weiteren Verlauf auch noch mehrmals deutlich gemacht – und zwar in scheinbar unscheinbaren Details. Als Bond den Tisch verlassen muss entschuldigt er sich höflichst bei dem Croupier (den er mit Vornamen kennt) und dem Changeur. Und als er wenig später das Casino verläßt drückt er im Vorbeigehen dem Changeur noch schnell ein Trinkgeld in die Hand. Im Vorbeigehen ist dabei das richtige Stichwort, denn die souveräne Art und Weise, wie die Figur das mal kurz nebenbei macht, zeigt eben eindrucksvoll, was für ein cooler Junge er ist. Die Welt der Schönen und Reichen navigiert Bond also ohne Probleme.

Lasst die Spiele beginnen – Die Neugier von Sylvia Trench ist geweckt (Foto: ©MGM)

Von Katzen und Mäusen
Richtig spannend ist aber die zweite Facette Bonds, die in dieser Sequenz herausgearbeitet wird. Bond ist ein Player, der das Risiko und die Herausforderung liebt. Das sehen wir zum einen in Bonds Umgang mit Geld. Sylvia Trench will den Einsatz erhöhen? Bond zuckt nicht einmal mit den Schultern. Zum anderen sehen wird Bonds Liebe für die Herausforderung aber dann auch an seinem Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

„I admire your courage“ – Bonds erste Worte zu Sylvia Trench zeigen, dass er offensichtlich von ihrer mutigen Spielweise sehr angetan ist. Hier ist jemand, der ihn fordert. Und es wird gleich deutlich, dass Bond jede Menge Spaß daran hat, diese Herausforderung anzunehmen. Er fängt nun nicht nur auf dem Tisch an mit ihr zu spielen. „Looks like you’re out to get me“ – ein klein bisschen Provokation kann ja nicht schaden. Vor allem aber zeigt uns die Szene, dass Bond damit Erfolg hat. Trench läßt sich darauf ein und folgt Bond als dieser den Tisch verläßt. Der wiederum macht gleich direkt die nächste doppeldeutige Anmerkung und läßt das Spiel eskalieren. Die Frage, auf was für Spiele sie denn sonst noch so stehen würde ist nichts anderes als ein Frontalangriff Bonds auf Trench.

Nimm doch meine Karte – Bond ist immer vorbereitet (Foto: ©MGM)

Statusspiele im Casino
Nein, lange um den heißen Brei herumgeredet wird bei Bond nicht. So folgt dann auch direkt eine Einladung zum Golfen. Genauer gesagt ist es keine Einladung, Bond legt das einfach fest. Man sieht sich morgen nachmittag, meint Bond lapidar. Und geht dann schnellen Schrittes weiter. Bond geht selbstverständlich von einer Zusage aus, warum also auf eine Antwort warten.

Was sich hier zwischen den Beiden entfaltet ist ein wundervolles Statusspiel. Mit Bond am deutlich längeren Hebel. Dem Golf-Date wirft er direkt ein Anfrage für ein gemeinsames Abendessen hinterher. Die gute Frau bekommt ja kaum Luft zum Atmen. Trench versucht dann wieder die Oberhand zu gewinnen, in dem sie ihre Entscheidung zu der Einladung erst am nächsten Morgen bekanntgeben will. Da hat sie aber hat ihre Rechnung ohne Bond gemacht. Der ist nun nicht etwa verunsichert. Weit gefehlt. Bond akzeptiert das und drückt ihr seine Visitenkarte in die Hand – als ob Trench einfach eine von seinen vielen „Business“-Kundinnen sei. Dann geht er ohne sich zu verabschieden oder umzublicken aus dem Raum. Trench dagegen schaut ihm fasziniert hinterher. Ja, Blicke sagen manchmal mehr als Worte.

Ein letzter Blick – Bond hat Eindruck hinterlassen (Foto: ©MGM)

Der Weg ist das Ziel
Schritte tun das aber auch. Man achte einmal auf die Wege der Beiden in diese Sequenz. Bond steht auf, Trench geht hinterher. Bond zieht während des Flirts das Tempo an, Trench läuft wieder hinterher. Und auch am Schluss zieht Bond davon und Trench macht die extra Schritte, um noch einen Blick auf ihn zu erhaschen. Bond dominiert also stets die Situation. Das Drehbuch ist aber so clever, Bonds coole Überlegenheit nicht dadurch zu untergraben, dass man Trench als einfaches Flittchen darstellt. Am Casino-Tisch gibt sie nicht klein bei und die Antwort auf Bonds Einladung zum Abendessen verschiebt sie ja auch auf den nächsten Tag – leicht ist die Frau definitiv nicht rumzukriegen. Das wertet den Erfolg den Bond bei ihr hat aber natürlich erst recht auf.

Die ganze Sequenz verdeutlicht, dass Bond Herausforderungen liebt und ihnen gewachsen ist. Und das er dabei offensichtlich nicht nur cool bleibt, sondern auch noch jede Menge Spaß hat. Das alles hätte man natürlich auch mit einer launigen Action-Sequenz transportieren können. Aber ist es nicht viel cleverer diese Eigenschaften nicht gleich im offensichtlichsten Umfeld zu zeigen. So nutzt „Dr. No“ also durchaus ein paar auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlichen Kniffe, um eine durchaus würdige Einführung einer Kinolegende hinzulegen. Darauf einen Martini, Mr. Bond.

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