Abgeschweift

Solo-Mission für Han

Zugegeben, ich war noch nie ein wirklich großer „Star Wars“-Fan. Ich fand schon als Kind „Star Trek“ immer die thematisch interessantere Science-Fiction Reihe, wobei ich dem religiösen Fanatismus mancher Fans beider Lager noch nie etwas abgewinnen konnte. Sagt einer, der einst als Jugendlicher gleich mehrere der berüchtigten „Star Trek“ Fan-Conventions besuchte. Aber das auch nur mit einer großen Portion Selbstironie und einem sehr verschlossenen Geldbeutel gegenüber Merchandising-Artikeln oder überteuerten Autogrammen (irgendwo zuckt gerade William Shatner zusammen).

Den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen ist natürlich eine alte Masche, wird aber mit der aktuellen „Star Wars“-Reihe vom Disney Konzern schon auf allerhöchstem Niveau zelebriert. Und auch wenn ich die alten „Star Wars“-Filme einfach nur mochte, aber eben nie liebte, habe auch ich mich dem Hype nie wirklich entziehen können. Schon George Lucas hatte mich einst kleingekriegt und irgendwie in alle drei Prequel-Filme gelockt – die gruseligen Dialoge in „Angriff der Klonkrieger“ spuken noch heute in meinem Kopf herum.

Das mit den Dialogen hat J.J. Abrahams zwar besser hinbekommen, aber sein „Erwachen der Macht“ war dann auch nur ein liebloses Aneinanderreihen vertrauter Elemente. Ich weiß noch, wie ich damals aus dem Kino kam und mir eine Szene nicht mehr aus dem Kopf ging. Nach dem Tod von Han Solo trifft Prinzessin Leia auf Rey und Chewbacca – und wen tröstet sie zuerst? Nein, nicht etwa ihren jahrelangen Weggefährten und den besten Freund von Solo, sondern sie fällt tränenreich der ihr relativ unbekannten Rey in die Arme – während Chewbacca wortlos an ihr vorbeimarschiert. Irgendwie hatte dieser Film einfach nicht das Herz am richtigen Fleck.

Weiter ging es dann mit dem zumindest noch relativ ordentlichen „Rogue One“ und dem ziemlich enttäuschenden „Die letzten Jedi“, bei dem neben dem Herzblut auch noch die Logik zur Fahndung ausgeschrieben war. Trotzdem jedes Mal im Kinosessel: der Autor dieser Zeilen. Und nun kam vor kurzem dann die Email, mit der ich schon seit Wochen gerechnet hatte. Freunde von mir schrieben, dass es noch Tickets für „Solo“ geben würde. Und wieder habe ich gezuckt. Aber nur kurz. Ich bin raus Disney.

Und ich glaube, dass ich nicht der einzige bin. Die bisher sehr durchwachsenen Kritiken helfen da sicherlich auch nicht weiter. Ich bin gespannt, wieviel Milch noch in dieser Franchise-Kuh steckt. Mit „Solo“ könnte der Siegeszug der Reihe seinen ersten großen Dämpfer bekommen. Eines ist auf jeden Fall sicher: der junge Han muss ohne mich in seinen Millennium Falken steigen…

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